von Matthias Heim
Lediglich 8.500 Einwohner leben in dem Ort, der zu den namhaftesten Plätzen der Erde zählt: Marathon. Nordöstlich der Hauptstadt Athen gelegen erlangte der griechische Ort durch den Boten Pheidippides Berühmtheit, der der Legende nach im Jahr 490 v. Chr. vom Schlachtfeld in Marathon ins 40 Kilometer entfernte Athen lief, um dort die frohe Botschaft des Sieges der Athener gegen die Perser zu verkünden – bevor er auf dem Marktplatz tot zusammengebrochen sein soll.
Ob sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, bleibt ungewiss. In Anbetracht der Tatsache, dass Boten früher noch weitaus längere Strecken zu Fuß zurücklegen mussten, gibt es zumindest Zweifel. Nichts desto Trotz wurde bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, im Jahr 1896 in Athen, zu Ehren dieses Boten ein Lauf über 40 Kilometer ausgetragen. Der Grieche Spiridon Louis sicherte sich in 2:58,50 Stunden den ersten Titel des Marathon-Olympiasiegers – und das, obwohl er zwischenzeitlich eine Pause einlegte und ein Glas Wein trank.
Dem laufbegeisterten Leser wird aufgefallen sein, dass die damalige Distanz von 40 Kilometern heute keine Gültigkeit mehr besitzt. Doch wie kam es genau zu der Verlängerung der Strecke auf 42,195 Kilometer?
Bis zum Jahr 1908, als die Olympischen Spiele in London stattfanden, wurde für den Marathon immer eine Strecke von ungefähr 40 Kilometern gesucht. In jenem Jahr jedoch wurde die Distanz auf Wunsch des englischen Königshauses auf 42,195 Kilometer verlängert. Geplant war zunächst, dass die Athleten vom Schloss Windsor bis ins Great White City-Stadion in London laufen sollten, was eine Streckenlänge von 40 Kilometer bedeutet hätte. Als die Prinzessin von Wales dann wünschte, dass ihre Kinder den Start sehen können, wurde der Start kurzerhand in den Ostteil des Windsor-Schloss-Geländes verlegt – und damit die Distanz auf 42 Kilometer ausgeweitet. Und da die Königin von ihrer Loge im Londoner Stadion den besten Blick auf das Ziel genießen wollte, wurden den Läufern weitere 195 Meter aufgebürdet…
In den Folgejahren wurde der Marathon wieder über unterschiedliche Distanzen ausgetragen, bevor die Strecke im Jahr 1921 auf die noch heute gültigen 42,195 Kilometer standardisiert wurde. Bis 1984 war der Marathon bei Olympia übrigens den Männern vorbehalten – bis in Los Angeles erstmals auch die Frauen um olympisches Edelmetall kämpften. Erste Olympiasiegerin wurde die US-Amerikanerin Joan Benoit in 2:24,52.


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