von Dr. Philipp Gut – www.finisherconcepts.de – die trainingsagentur
Das chronische Ermüdungssyndrom hat seine Wurzeln in einer Überbeanspruchung durch den Job, durch die Familie und zusätzlich durch ein zu belastendes Freizeitprogramm, vor allem dem Sport.
Es beginnt meist mit kleineren Infektionen, wie einer banalen Erkältung. Die Lymphknoten sind dauerhaft hart und leicht geschwollen, es kann zu Schmerzen in den Gelenken kommen und der Blutdruck ist erhöht. Im Gegensatz zum Übertraining ist die Ruheherzfrequenz oft gar nicht erhöht. Aber schon bei eigentlich lockeren Rekom- oder Grundlageneinheiten kann die Herzfrequenz sehr stark erhöht sein. Dies ist sowohl durch die Infektionen, als auch durch die körperliche Ermüdung bedingt. Jetzt wäre eine Ruhepause angebracht, um die Erkältungen auszukurieren und ein kurzer Urlaub, um sich vom Stress zu erholen. Und hier liegt die besondere Gefährdung für Läufer: Der Trainingsplan muss doch unbedingt eingehalten werden, da der große Wettkampf naht!?
Ähnlich wie Topmanager, die aus ihren Verpflichtungen und epischen Arbeitsumfängen nicht einfach ein paar Tage aussteigen können, wollen viele Läufer ihren Trainingsalltag auf keinen Fall unterbrechen. Es könnten ja die mühevoll erarbeiteten Grundlagen verloren gehen, wenn jetzt pausiert wird. Der Erwartungsdruck im Sport, die viel zu harten Einheiten und der hohe Zeitaufwand wird von unserem Körper nicht mehr als Ausgleich und Freizeit aufgefasst, sondern als Arbeit und Stress. Zählt man die Trainingsstunden zu den Arbeitszeiten hinzu, erreicht man leicht „Wochenarbeitsstunden“ wie ein Topmanager. Als Folge nimmt die Kreativität bei der Arbeit ab und auch die Leistungsfähigkeit im Sport ist reduziert. Der psychische Druck steigt, es kommt zu gesundheitlichen Problemen und die Stimmung in der Familie kann ganz schön angespannt sein. Es entsteht ein Teufelskreis aus Ermüdung, unbefriedigenden Leistungen bei der Arbeit und im Sport und Stress im Privatleben. Am Ende steht dann die chronische Ermüdung. Glück durch Sport wird so auf keinen Fall erreichen.
Einige wichtige Anhaltspunkt für Läufer mit knappen Zeitbudget und hoher beruflicher Belastung:
- Der Sport sollte Dir Spaß machen und als Ausgleich zum Beruf dienen. Damit dies so ist, solltest Du Dir realisierbare Ziele zu setzen. Lass Dich von erfahrenen Läufern beraten, welche und wie viele Wettkämpfe sinnvoll sind.
- Wenn der Stress in Beruf oder Familie zunimmt, dann solltest Du das Training reduzierten. In zwei ruhigen Trainingswochen verlierst Du noch lange nicht die Grundlagen, die Du Dir aufgebaut hast. Wichtig ist es, sich in diesen „Stress-Phasen“ auf die Kerneinheiten einer Trainingswoche zu konzentrieren: Das ist ein langer Dauerlauf, eine Tempoeinheit als Bahnintervalle oder auch als Fahrtspiel, sowie ein extensiver Dauerlauf unter der anaeroben Schwelle. Diese Kerneinheiten können auch über zwei Wochen verteilt werden. So kannst Du Dich erholen und gleichzeitig die Form erhalten, so dass in den weniger arbeitsreichen Wochen der Einstieg in ein intensiveres Trainingsprogramm leichter fällt.
- Die Saison sollte soweit wie möglich geplant sein. Bis zum Tag X, z.B. dem Marathon, solltest Du in einem Kalender Familienurlaube, besondere berufliche Verpflichtungen sowie jeden Testwettkampf vermerken. So kannst Du im Voraus leichter die harten Trainingswochen in vermeintlich ruhigere Phasen integrieren und damit zu starke parallele Belastungen vermeiden.
- Mit Freunden weggehen und Zeit mit der Familie verbringen gehört zur Regeneration. Es hilft abzuschalten und nimmt einen Teil vom sportlichen Erfolgsdruck. Damit wird die Gefahr einer chronischen Ermüdung deutlich reduziert. Sport macht dann wieder Spaß und ist Freizeit, anstatt Arbeit.