von Matthias Heim – finisher concepts
Einmal einen Marathon zu laufen ist für viele Menschen ein Lebenstraum. Um sich diesen zu erfüllen, krempeln viele ihren Alltag um. Das obligatorische Bier am Abend vor dem Fernseher und die fettigen Pommes in der Mittagspause gehören dann, wenn man das „Projekt Marathon“ einmal begonnen hat, plötzlich nicht mehr zum guten Ton, sind nicht mehr „en vogue“, wie man neudeutsch zu sagen pflegt. Für einen bestimmten Zeitraum verzichtet man auf viel Liebgewonnenes, um das Erreichen des Ziels nicht zu gefährden.
Ein paar Monate später, wenn man unter dem Beifall der Zuschauer in den Zielkanal des ausgesuchten Rennens einläuft, wird man sagen, all die Quälerei im Training und der Verzicht auf so manchen Gaumenschmaus habe sich gelohnt. Dann jedoch teilt sich das Feld der Marathonläufer in verschiedene Gruppen auf. Während die einen nach Erfüllung ihres Traumes nun in ihren alten Lebenstrott aus der Vor-Marathonzeit zurückfallen, nimmt die zweite Gruppe zwar ebenfalls Abschied von dem auf ein Ziel fokussierten Training, behält aber zumindest die gesunde Lebensweise mit regelmäßigem Sport und nicht zu fettigem Essen bei. Zu sehr hat man sich schon an das neue Wohlfühl-Gefühl des Fit-Seins gewöhnt, um jetzt gänzlich darauf verzichten zu wollen.
Die dritte Gruppe hingegen ist mit dem Marathon-Virus infiziert und sucht schnell nach neuen Rennen. In Europa gibt es zahlreiche Laufveranstaltungen, die einen Besuch als Teilnehmer wert sind. Doch was tun, wenn man einen neuen Kick braucht, wenn ein normaler Marathon nicht mehr als Herausforderung ausreicht? Für diesen Fall haben wir möglicherweise die richtige Lösung parat. In dieser neuen Serie stellen wir Euch elf Rennen über die klassische Distanz von 42,195 Kilometern vor, die aus unterschiedlichen Gründen etwas ganz Besonderes sind…
1.) New York City Marathon
Das waren noch Zeiten als man im Jahr 1970 für einen US-Dollar Startgeld am New York Marathon teilnehmen konnte. Im Premierenjahr, vor fast vier Jahrzehnten, trauten sich gerade einmal 127 Läufer an den Start des Rundkurses durch den Central Park – und nur 55 bewältigten die komplette Distanz.
37 Jahre später ist die Zahl der Finisher leicht gestiegen – genauer gesagt um das rund 700-fache. Mit 38.676 Finishern war New York im Jahr 2007 die größte Marathonveranstaltung der Welt. Und es wären noch weitaus mehr Athleten an den Start gegangen, wären nicht irgendwann auch die Kapazitätsgrenzen einer Großstadt wie New York erschöpft gewesen.
Rund 100.000 Menschen bewerben sich jährlich um einen der Startplätze für diesen Event, die schwer zu ergattern sind. In New York Marathon zu laufen ist Kult geworden – es ist, wie in Wimbledon Tennis zu spielen oder auf Hawaii beim Ironman zu starten. Zwei Millionen Zuschauer säumen jedes Jahr die Strecke, weitere 315 Millionen sind an den Fernsehschirmen dabei, wenn am ersten November-Wochenende der Startschuss zum New York City Marathon fällt.
Seit 1976 führt das Rennen durch die fünf Stadtbezirke Staten Island, Brooklyn, Queens, the Bronx und Manhattan und verbindet dabei mehrere ethnische und kulturelle Gruppen. Fünf Brücken müssen passiert werden, bevor die Teilnehmer nach 42,195 Kilometern traditionell im Central Park über die Ziellinie laufen dürfen. Die 600.000 Dollar Preisgeld, die auch viele Spitzenathleten anziehen, sind den meisten Marathonis egal – sie wollen getreu dem olympischen Motto nur dabei gewesen sein und sich zu den bis heute über 700.000 Finishern zählen.
Weitere Infos: www.nycmarathon.org